Alle meine Monster

TEXTE

Ich kenne euch, ich kenne euch gut,
weiß um eure Pläne, eure Macht, eure Wut,
Fühle die selbe Genugtuung
den Spaß der Zerstörung
genieße den Geruch der Enttäuschung
und das Spritzen von Herzblut

Ihr seid gefährlich, ich weiß es genau,
eure Krallen sind scharf, die Worte gespitzt, die Ohren schlau
Die Münder sind Schlünder und schwarze Löcher
Ich möchte das Taumeln sehen, genauso wie ihr
Die Kraft der Ohnmacht auf den Gesichtern,
Überraschung, Unverständnis und ein letztes ‚Oh‘

So seid ihr, ihr seid so
Ich fühle euer Kratzen und Scharren,
euer Knurren und Murren, euer Piksen und Zischen,
eure Spitzen und Zähne, euer Sticheln und Fletschen
Ich höre das rastlose Gedankengemurmel, merke dass ihr das macht
und weiß dass ihr hinter meinem Rücken lacht

Ich weiß wo ihr wohnt
und mit wem ihr unter einer Decke steckt
Ich kenne euer Erwachen, eure Muster und Aktionen
eure Strategien und Explosionen und jede dunkle Ecke
Mir ist klar dass ihr euch das Futter teilt
und mir die spitzen Knochen lasst auf dass ich daran verrecke

Und ohne Zweifel seid ihr die Kraft die mich treibt,
Ihr spritzt mir die Gedanken, die ich nicht denken will
Ihr flüstert mir den Text vor den ich nicht sagen will,
Ihr biegt meine Hände zu Fäusten und meinen Körper zu Stacheldraht
Ihr seid der Grund warum ich fliehe
Und ihr seid der Grund warum ich nicht wegkomme

Denn Ihr seid ich, ihr wohnt in mir
Und ich bin alle meine Monster
Denn es ist kein ‚ich‘ und ‚ihr‘
es ist ein ‚wir‘

Und wir kämpfen
Ich mit euch, und ich mit mir

Und wenn ich euch zu fassen bekomme,
lege ich euch in Ketten.
Gefesselt und geknebelt im tiefsten Keller des Schweigens,
in den dunkelsten Kammern
Ich schließe tausend Türen hinter euch
und werde immer lauter Sprechen als euer Jammern

Und wenn ihr mich in die Finger bekommt,
wird der Folterkeller zum Spielplatz,
ich eure Versuchsratte
und meine eigenen Waffen die quälendsten Spielsachen

Und ich erkenne mich in euch wieder,
lege mich selbst in Ketten,
Schließe alle Türen hinter mir,
ersticke mein eigenes Jammern

Denn Ihr seid ich, ihr wohnt in mir
Und ich bin alle meine Monster
Denn es ist kein ‚ich‘ und ‚ihr‘
es ist ein ‚wir‘

Und wir machen gemeinsame Sachen,
Ich mit euch und ihr mit mir

Wir treffen andere Menschen,
mit scharfen Worten und kalten Taten
wir bauen Mauern, wir zerstören Brücken
wir lassen nichts stehen außer Lücken

Und alle Schläge sind eigentlich gegen uns gerichtet
Und wir verletzen mit allen anderen immer uns selbst
Auf dass uns unser Gewissen danach vernichtet
Auf dass ich euch die Schuld gebe

Aber Ihr seid ich, ihr wohnt in mir
Und ich bin alle meine Monster
Denn es ist kein ‚ich‘ und ‚ihr‘
es ist ein ‚wir‘

Und wir hören uns nicht im Geschrei,
Ihr mich nicht und ich euch nicht.

Wir versuchen uns gegenseitig zu unterdrücken
Ich lasse euch nichts erklären bevor ich euch ersticke
Ihr dreht mir Stricke aus meinen eigenen Gedanken
Und am Ende weiß niemand worüber wir fallen

Und ich kann mir selbst nicht aufhelfen, wenn ich den Knoten nicht kenne.
Und ich kann nie wieder fliegen, wenn ich es nicht mit euch lerne.
Und ich kann nur lernen, wenn ich euch zuhöre.

Denn ihr seid ich, ihr wohnt in mir
Und ich bin alle meine Monster
Denn es ist kein ‚ich‘ und ‚ihr‘
es ist ein ‚wir‘